Equidenpass: Fristen, Transponder und die Zweitpass-Falle
Zuletzt geprüft: 5. August 2026
Wer den Equidenpass verliert, verliert mehr als ein Heft: Ein Ersatzpass stuft das Pferd dauerhaft als nicht zur Schlachtung bestimmt ein.
Dieser Text fasst veröffentlichte Vorschriften zusammen und ist keine Rechtsberatung. Diese Seite gilt für Deutschland. Jedes Land führt sein eigenes Register — die Fassungen für das Vereinigte Königreich, Spanien und Frankreich stehen am Seitenende.
Was der Equidenpass ist — und was HI-Tier damit zu tun hat
Der Equidenpass begleitet das Pferd ein Leben lang und wird von einer anerkannten Stelle ausgestellt, meist dem Zuchtverband. Grundlage ist die Viehverkehrsverordnung auf Basis des EU-Rechts, und sie richtet sich an alle Equiden und alle Tierhalter — nicht nur an Zuchtbetriebe. Die Transpondernummer stellt die eindeutige Verbindung zwischen Pferd und Equidenpass her. Die zentrale HI-Tier-Datenbank speichert unter anderem Pass- und Transponderdaten und unterstützt die Rückverfolgung bei Tierseuchen.
Die Fristen
| Pflicht | Frist |
|---|---|
| Fohlen kennzeichnen und Pass beantragen | bis zum 31. Dezember des Geburtsjahres oder innerhalb von 6 Monaten nach der Geburt — was später eintritt |
| Transponderpflicht | für alle Equiden, die ab dem 1. Juli 2009 geboren wurden |
| Beispiel | ein im August geborenes Fohlen: Frist im Februar des Folgejahres |
Der Zweitpass — die Falle, die niemand kommen sieht
Das ist der Punkt, an dem es in Deutschland teuer wird und der auf keiner Stallwand steht. Wird ein Ersatzpass oder ein Duplikat ausgestellt — weil das Original verloren, verbrannt, verschimmelt oder beim Verkäufer geblieben ist —, wird das Pferd dabei als „nicht zur Schlachtung für den menschlichen Verzehr bestimmt" eingestuft. Diese Einstufung bleibt. Der Verlust des Papiers verändert dauerhaft den Status des Tieres, ohne dass jemand eine Entscheidung getroffen hätte.
Für die meisten Sport- und Freizeitpferde ist dieser Status ohnehin der gewünschte — er ist die Voraussetzung dafür, bestimmte Medikamente überhaupt einsetzen zu dürfen. Trotzdem sollte es eine Entscheidung sein und kein Unfall. Wer den Pass verliert, verliert mehr als ein Heft.
Warum der Tierarzt zuerst in den Pass schaut
Die Seite zum Verwendungszweck entscheidet, welche Arzneimittel angewendet werden dürfen. Liegt der Pass nicht vor, wird die Behandlung enger — nicht aus Formalismus, sondern weil die Rückstandsvorschriften an genau diesem Eintrag hängen. Deshalb gehört der Pass dorthin, wo er im Ernstfall erreichbar ist, und nicht in einen Ordner im Büro.
Beim Kauf
Vor der Zahlung: Chip auslesen und mit dem Pass abgleichen, das Abzeichenblatt mit dem Pferd vergleichen, den Eintrag zum Verwendungszweck prüfen und fragen, ob es sich um das Original oder um einen Zweitpass handelt. Danach: Halterwechsel an die ausstellende Stelle melden, damit die Daten in HI-Tier stimmen.
Was neben dem Pass gehört
Kaufvertrag und Rechnung, das Protokoll der Ankaufsuntersuchung, die Versicherungspolice, Einstell- oder Reitbeteiligungsverträge und die Zuchtbescheinigung. Das sind die Unterlagen, die man sucht, wenn ohnehin gerade etwas schiefgeht.
Wo EquiDiary hilft
Die Dokumentenmappe am Pferd hält die Papiere, die dem Pferd gehören und nicht einem einzelnen Eintrag: Passseiten, Zuchtbescheinigung, Versicherung, Kaufvertrag. Alle, mit denen das Pferd geteilt ist, können sie öffnen — genau darum geht es: Der Tierarzt im Notdienst soll nicht anrufen müssen, um den Verwendungszweck zu erfahren. Hinzufügen und entfernen kann sie nur der Besitzer.
Häufig gestellte Fragen
Bis wann muss ein Fohlen einen Equidenpass haben?
Bis zum 31. Dezember des Geburtsjahres oder innerhalb von sechs Monaten nach der Geburt — je nachdem, was später eintritt. Für ein im August geborenes Fohlen läuft die Frist damit bis Februar des Folgejahres.
Was passiert, wenn ich den Equidenpass verliere?
Mit der Ausstellung eines Ersatzpasses oder Duplikats wird das Pferd als nicht zur Schlachtung für den menschlichen Verzehr bestimmt eingestuft. Diese Einstufung bleibt bestehen — der Papierverlust verändert dauerhaft den Status des Tieres.
Brauchen auch ältere Pferde einen Transponder?
Die Transponderpflicht gilt für alle Equiden, die ab dem 1. Juli 2009 geboren wurden. Der Pass selbst ist für alle Equiden Pflicht.
Was ist HI-Tier?
Das Herkunfts- und Informationssystem für Tiere, die zentrale Datenbank. Über die Transpondernummer wird das Pferd dort und bei der ausstellenden Stelle geführt — der Pass ist damit Teil der staatlichen Rückverfolgung.
Quellen
- FN — Equidenpass: Pferdepass, Passantrag und Transponder
- vit / HI-Tier — Equidenkennzeichnung (Fristen, Transponder, Zweitpass)
- Ministerium für Landwirtschaft Rheinland-Pfalz — Fragen und Antworten zur Kennzeichnung von Pferden
- Viehverkehrsverordnung (ViehVerkV) und Verordnung (EU) 2021/963 zur Identifizierung und Rückverfolgbarkeit von Equiden
Auch verfügbar auf Englisch (US, UK, Australia, Canada) · Español (España, México) · Português (Portugal, Brasil) · Nederlands (Nederland, België) · Français (France, Belgique, Suisse, Québec) · Deutsch (Österreich, Schweiz) · Italiano (Italia, Svizzera)
Siehe auch: Impfplan Pferd — StIKo Vet, FN und die Turnierfristen.