Entwurmung Pferd Österreich: zeitgemäße selektive Entwurmung (ZSE)
Zuletzt geprüft am 3. November 2026
In Österreich hat das Verfahren einen eigenen Namen: zeitgemäße selektive Entwurmung, kurz ZSE. Dahinter steckt eine einfache Umkehrung — nicht mehr jedes Pferd nach Kalender behandeln, sondern erst zählen und dann gezielt behandeln, wen es betrifft.
Dies fasst veröffentlichte Empfehlungen zusammen und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Diese Seite gilt für Österreich. Für Deutschland siehe den deutschen Ratgeber, für die Schweiz den Schweizer. Wurmkuren sind in Österreich rezeptpflichtig: die Auswahl trifft der Tierarzt.
Warum der Kalender ausgedient hat
Alle Pferde in festen Abständen zu behandeln war jahrzehntelang Standard. Das Problem ist, was dabei entstand: Wer jedes Tier behandelt, ob nötig oder nicht, erzeugt dauerhaften Selektionsdruck — und die kleinen Strongyliden bilden wegen ihres deutlich kürzeren Entwicklungszyklus besonders rasch Resistenzen gegen Wurmmittel. Neue Wirkstoffklassen sind nicht in Sicht.
Genau dagegen ist die ZSE gerichtet: Sie soll die Ausbreitung von Resistenzen bremsen, indem sie den Wirkstoffeinsatz auf die Tiere beschränkt, bei denen er etwas bringt.
Wie die ZSE praktisch läuft
Bei jedem Pferd eines Bestandes werden über das Jahr verteilt regelmäßig Kotproben nach dem McMaster-Verfahren untersucht. Man bekommt damit ein Bild der Eiausscheidung jedes einzelnen Pferdes — und behandelt anthelminthisch nur jene mit hoher Ausscheidung oder mit Krankheitssymptomen.
| Befund | EpG (Strongylideneier pro Gramm) | Was daraus folgt |
|---|---|---|
| Geringe Ausscheidung | unter 200 | Die meisten erwachsenen Pferde. Allein aufgrund der Zählung ist keine Behandlung angezeigt. |
| Starke Ausscheidung | ab 200 | Behandeln — das ist der Schwellenwert der selektiven Entwurmung. |
| Symptome | unabhängig vom Wert | Ein Pferd mit Krankheitszeichen wird behandelt, was auch immer die Zählung sagt. |
Die Verteilung ist dabei sehr ungleich: Eine Minderheit der Pferde trägt den größten Teil der Eiausscheidung und damit der Weidekontamination. Genau diese Tiere findet die ZSE — und genau die verfehlt eine Behandlung nach Kalender, weil sie alle gleich behandelt.
Prüfen, ob das Mittel noch wirkt
Resistenzen sind bestandsspezifisch: Ob ein Präparat in deinem Stall noch wirkt, lässt sich nur messen. Dafür zählt man rund zwei Wochen nach der Behandlung erneut; die Eizahl sollte um mehr als 90 bis 95 % gefallen sein, idealerweise auf null. Eine Wurmkur, die nicht mehr wirkt, sieht genauso aus wie eine, die wirkt — bis man zählt.
Was ein Nullbefund nicht heißt. Die Kotprobe erfasst adulte, eierlegende Würmer. Sie erfasst nicht die in der Darmwand eingekapselten Larven der kleinen Strongyliden. Ein Pferd kann sauber testen und trotzdem eine erhebliche Larvenlast tragen; treten diese Larven massenhaft aus, entsteht die larvale Cyathostominose — plötzlicher wässriger Durchfall, starker Gewichtsverlust und Kolik, mit einer häufig genannten Letalität um 50 %. Ob die eingekapselten Stadien behandelt werden, ist eine eigene Entscheidung, unabhängig vom Eizahlbefund: Der Tierarzt trifft sie, oft auf Empfehlung eines spezialisierten Labors, anhand von Alter, Vorgeschichte, Jahreszeit und Infektionsdruck im Bestand. Für Bandwurm ist die einzelne Standard-Kotprobe unzuverlässig, weil die Eier unregelmäßig ausgeschieden werden; aussagekräftig sind spezielle Anreicherungsverfahren, auf Bestandsebene mit vielen Proben mehrerer Pferde über das Jahr verteilt, oder ein Antikörpertest aus Speichel oder Blut, der eine Infektion der letzten Monate anzeigt und deshalb nach einer Behandlung noch eine Weile positiv bleibt. Bei nur wenigen Pferden bleibt auch der Nachweis im Bestand unsicher; spezialisierte Labore empfehlen dort eher eine vorbeugende Bandwurmbehandlung einmal im Jahr.
Fohlen und Jungpferde laufen anders
Alles bisher Gesagte gilt für erwachsene Pferde. Fohlen und Jungpferde werden nicht allein nach Eizahl behandelt, sondern auch nach Alter und Bestand: Bei ihnen dominiert Parascaris (Spulwurm) statt der kleinen Strongyliden, mit realem Verschlussrisiko, und die Immunität ist noch nicht ausgebildet. Kotproben entfallen deshalb nicht, sie werden eher häufiger genommen: Sie zeigen, ob noch Spulwürmer da sind und ob eine Behandlung gewirkt hat, und da die Resistenz von Parascaris gegen makrozyklische Laktone weit verbreitet ist, lohnt die Kontrollzählung dort besonders. Wie oft ein Jungpferd beprobt und wann es behandelt wird, legt der Tierarzt nach Alter und Infektionsdruck fest, oft auf Empfehlung eines spezialisierten Labors; mit zunehmendem Alter nähert sich das Schema dem der erwachsenen Pferde.
Warum der Plan verrutscht
Ein Entwurmungsprogramm ist schwerer zusammenzuhalten als ein Impfplan, weil es kein wiederkehrender Termin ist. Es ist eine Kotprobe pro Pferd, eine daraus folgende Einstufung, eine Behandlung, die angezeigt sein kann oder nicht, eine Kontrollzählung zwei Wochen später und eine separate Entscheidung zu den eingekapselten Larven — mal jedes Pferd im Stall.
Genau so rutscht ein Bestand zurück zu „im Herbst bekommen alle eine Paste“: nicht als Entscheidung, sondern weil niemand mehr rekonstruieren kann, wer wann beprobt wurde.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet zeitgemäße selektive Entwurmung (ZSE)?
Statt alle Pferde nach Kalender zu behandeln, werden über das Jahr verteilt regelmäßig Kotproben nach dem McMaster-Verfahren untersucht. Anthelminthisch behandelt werden nur Pferde mit hoher Eiausscheidung — üblicherweise ab etwa 200 Eiern pro Gramm — sowie Tiere mit Krankheitssymptomen. Ziel ist, die Ausbreitung von Wurmmittelresistenzen zu bremsen.
Ab welchem EpG-Wert wird behandelt?
Üblich ist ein Schwellenwert von etwa 200 Eiern pro Gramm Kot für Strongyliden: darunter ist allein aufgrund der Zählung keine Behandlung angezeigt, darüber schon. Unabhängig vom Wert wird ein Pferd behandelt, das Krankheitszeichen zeigt. Die Zählung misst, wie stark ein Pferd die Weide kontaminiert, nicht wie krank es ist.
Erkennt die Kotprobe eingekapselte Larven?
Nein. Die Kotprobe erfasst nur adulte, eierlegende Würmer, daher bleiben die in der Darmwand eingekapselten Larven der kleinen Strongyliden unsichtbar; ob sie behandelt werden, entscheidet der Tierarzt, oft auf Empfehlung eines spezialisierten Labors, anhand von Alter, Vorgeschichte, Jahreszeit und Infektionsdruck im Bestand. Für Bandwurm ist die einzelne Standard-Kotprobe unzuverlässig; aussagekräftig sind spezielle Verfahren mit vielen Proben eines größeren Bestandes oder ein Antikörpertest aus Speichel oder Blut, der eine Infektion der letzten Monate anzeigt. Ein Nullbefund bedeutet also nicht, dass ein Pferd wurmfrei ist.
Das Rechnen übernimmt der Nachweis
EquiDiary hält Kotprobenbefunde, Behandlungen und Präparate jedes Pferdes mit Datum und Charge im Tagebuch fest, damit der Wert vom letzten Jahr da ist, wenn du ihn vergleichen willst. Einmal eintragen, und das Tagebuch merkt es sich für dich; Tierarzt, Stall und Reitbeteiligung sehen dieselbe Seite.
3 Monate kostenlos startenQuellen
- Zeitgemäße Selektive Entwurmung — Problemstellung
- Kotlabor Schmid — AG.ZE-zertifiziertes Labor für Pferde-Wurmmanagement (Österreich)
- Kotlabor Schmid — Bandwurmdiagnostik und -Behandlung
- Thieme Tiermedizin — Die selektive Entwurmung beim Pferd
- AAEP — Internal Parasite Control Guidelines (Bandwurmdiagnostik, Fohlen und Jungpferde)
- Kotlabor Schmid — Kotproben bei Fohlen und Jungpferden bis 4 Jahre
- Lightbody, Davis & Austin (2016) — Validation of a novel saliva-based ELISA test for diagnosing tapeworm burden in horses, Vet Clin Pathol 45:335–346
- Verordnung (EU) 2019/6, Art. 34 (Tierarzneimittel für der Lebensmittelgewinnung dienende Tiere sind verschreibungspflichtig), und die Unionsdatenbank für Tierarzneimittel
Empfehlungen werden regelmäßig überarbeitet — stimme das Vorgehen mit deinem Tierarzt ab.
Siehe auch: Impfplan Österreich — ÖTO § 11 und die zwei Zahlen.
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