EquiDiary
Ratgeber · Österreich

Entwurmung Pferd Österreich: zeitgemäße selektive Entwurmung (ZSE)

Zuletzt geprüft am 5. August 2026

In Österreich hat das Verfahren einen eigenen Namen: zeitgemäße selektive Entwurmung, kurz ZSE. Dahinter steckt eine einfache Umkehrung — nicht mehr jedes Pferd nach Kalender behandeln, sondern erst zählen und dann gezielt behandeln, wen es betrifft.

Dies fasst veröffentlichte Empfehlungen zusammen und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Diese Seite gilt für Österreich. Für Deutschland siehe den deutschen Ratgeber, für die Schweiz den Schweizer.

Warum der Kalender ausgedient hat

Alle Pferde in festen Abständen zu behandeln war jahrzehntelang Standard. Das Problem ist, was dabei entstand: Wer jedes Tier behandelt, ob nötig oder nicht, erzeugt dauerhaften Selektionsdruck — und die kleinen Strongyliden bilden wegen ihres deutlich kürzeren Entwicklungszyklus besonders rasch Resistenzen gegen Wurmmittel. Neue Wirkstoffklassen sind nicht in Sicht.

Genau dagegen ist die ZSE gerichtet: Sie soll die Ausbreitung von Resistenzen bremsen, indem sie den Wirkstoffeinsatz auf die Tiere beschränkt, bei denen er etwas bringt.

Wie die ZSE praktisch läuft

Bei jedem Pferd eines Bestandes werden über das Jahr verteilt regelmäßig Kotproben nach dem McMaster-Verfahren untersucht. Man bekommt damit ein Bild der Eiausscheidung jedes einzelnen Pferdes — und behandelt anthelminthisch nur jene mit hoher Ausscheidung oder mit Krankheitssymptomen.

BefundEpG (Strongylideneier pro Gramm)Was daraus folgt
Geringe Ausscheidungunter 200Die meisten erwachsenen Pferde. Allein aufgrund der Zählung ist keine Behandlung angezeigt.
Starke Ausscheidungab 200Behandeln — das ist der Schwellenwert der selektiven Entwurmung.
Symptomeunabhängig vom WertEin Pferd mit Krankheitszeichen wird behandelt, was auch immer die Zählung sagt.

Die Verteilung ist dabei sehr ungleich: Eine Minderheit der Pferde trägt den größten Teil der Eiausscheidung und damit der Weidekontamination. Genau diese Tiere findet die ZSE — und genau die verfehlt eine Behandlung nach Kalender, weil sie alle gleich behandelt.

Prüfen, ob das Mittel noch wirkt

Resistenzen sind bestandsspezifisch: Ob ein Präparat in deinem Stall noch wirkt, lässt sich nur messen. Dafür zählt man rund zwei Wochen nach der Behandlung erneut; die Eizahl sollte um mehr als 90 bis 95 % gefallen sein, idealerweise auf null. Eine Wurmkur, die nicht mehr wirkt, sieht genauso aus wie eine, die wirkt — bis man zählt.

Was ein Nullbefund nicht heißt. Die Kotprobe erfasst adulte, eierlegende Würmer. Sie erfasst nicht die in der Darmwand eingekapselten Larven der kleinen Strongyliden, und sie ist für Bandwurm unzuverlässig. Ein Pferd kann sauber testen und trotzdem eine erhebliche Larvenlast tragen; treten diese Larven massenhaft aus, entsteht die larvale Cyathostominose — plötzlicher wässriger Durchfall, starker Gewichtsverlust und Kolik, mit einer häufig genannten Letalität um 50 %. Die Behandlung der eingekapselten Stadien ist eine eigene Entscheidung, unabhängig vom Eizahlbefund.

Fohlen und Jungpferde laufen anders

Alles bisher Gesagte gilt für erwachsene Pferde. Fohlen und Jungpferde werden systematisch behandelt statt selektiv: Bei ihnen dominiert Parascaris (Spulwurm) statt der kleinen Strongyliden, mit realem Verschlussrisiko, und die Immunität ist noch nicht ausgebildet. Da die Resistenz von Parascaris gegen makrozyklische Laktone weit verbreitet ist, lohnt die Kontrollzählung dort besonders.

Warum der Plan verrutscht

Ein Entwurmungsprogramm ist schwerer zusammenzuhalten als ein Impfplan, weil es kein wiederkehrender Termin ist. Es ist eine Kotprobe pro Pferd, eine daraus folgende Einstufung, eine Behandlung, die angezeigt sein kann oder nicht, eine Kontrollzählung zwei Wochen später und eine separate Entscheidung zu den eingekapselten Larven — mal jedes Pferd im Stall.

Genau so rutscht ein Bestand zurück zu „im Herbst bekommen alle eine Paste“: nicht als Entscheidung, sondern weil niemand mehr rekonstruieren kann, wer wann beprobt wurde.

Das Rechnen übernimmt der Nachweis

EquiDiary hält Kotprobenbefunde, Behandlungen und Präparate jedes Pferdes in einer Historie fest — mit Datum und Charge — damit der Wert vom letzten Jahr da ist, wenn du ihn vergleichen willst. Einmal eintragen, und der Nachweis erinnert sich für dich; Tierarzt, Stall und Reitbeteiligung sehen dieselbe Seite.

3 Monate kostenlos starten

Quellen

Empfehlungen werden regelmäßig überarbeitet — stimme das Vorgehen mit deinem Tierarzt ab.

Siehe auch: Impfplan Österreich — ÖTO § 11 und die zwei Zahlen.

Auch verfügbar auf Deutsch (Deutschland) · Deutsch (Schweiz) · English · Français · Italiano