Impfplan Pferd: Intervalle, Auffrischung und Turnierregeln
Zuletzt geprüft am 30. Oktober 2026
Die Unsicherheit entsteht meist nicht bei der Frage, wogegen geimpft wird, sondern bei den Fristen: Wann ist die nächste Impfung fällig? Und warum rechnen Stall, Tierarzt und Turniermeldestelle scheinbar nach unterschiedlichen Kalendern? Hier findest du die veröffentlichten Vorgaben.
Das ist eine Zusammenfassung veröffentlichter Leitlinien, keine tierärztliche Beratung. Die Intervalle unten sind die der genannten Institutionen; welches Schema für dein Pferd gilt, entscheidet dein Tierarzt — auch abhängig vom verwendeten Impfstoff.
Die Leitlinie: drei Impfungen, drei völlig verschiedene Rhythmen
Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am Friedrich-Loeffler-Institut gibt die maßgebliche Leitlinie zur Impfung von Pferden heraus. Der entscheidende Punkt: Die drei Routineimpfungen halten unterschiedlich lange, und genau das geht im Stallalltag unter.
| Impfung | Grundimmunisierung | Wiederholungsimpfung |
|---|---|---|
| Tetanus | 3 Impfungen: 2. nach 4–6 Wochen, 3. nach 12–14 Monaten | alle 2–3 Jahre |
| Influenza | 3 Impfungen: 2. nach 4–6 Wochen, 3. nach 5–6 Monaten | alle 6 Monate |
| Herpes (EHV) | 3 Impfungen: 2. nach 4–6 Wochen, 3. nach 5–6 Monaten | alle 6 Monate |
Der Tetanusschutz hält nach korrekter Grundimmunisierung Jahre — die Leitlinie nennt je nach Impfstoff zwei bis drei Jahre. Wer jährlich gegen Tetanus impfen lässt, tut damit oft mehr, als die Leitlinie verlangt. Bei Influenza und Herpes ist es umgekehrt: Der Schutz ist relativ kurzlebig, weshalb hier sechs Monate der Regelfall sind.
Eine Ausnahme steht ausdrücklich in der Leitlinie: Für Pferde mit geringem Infektionsdruck, die regelmäßig geimpft werden und nicht an Turnieren oder Veranstaltungen mit vielen Pferden aus verschiedenen Beständen teilnehmen, kann bei Influenza ein Intervall von bis zu zwölf Monaten ausreichen. Ob dein Pferd darunterfällt, ist eine tierärztliche Einschätzung — kein Stallgerücht.
Grundimmunisierung ist keine Formalie. Wer die dritte Impfung auslässt, hat streng genommen keine abgeschlossene Grundimmunisierung — und eine Auffrischung frischt nur auf, was vorher aufgebaut wurde. Reißt der Abstand zu weit, muss unter Umständen neu grundimmunisiert statt nur nachgeimpft werden.
Turnierpferde: die LPO rechnet strenger
Turnierregeln sind keine medizinische Empfehlung, sondern eine Startberechtigung — und sie werden wörtlich genommen. Geregelt ist die Impfvorschrift in der Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO), § 66 Allgemeine Teilnahmebeschränkungen von Pferden (1.7):
- Zweite Impfung mindestens 28 und höchstens 70 Tage nach der ersten
- Dritte Impfung maximal 6 Monate + 21 Tage nach der zweiten
- Wiederholungsimpfungen im Abstand von maximal 6 Monaten + 21 Tagen
Für den Start gilt: 14 Tage nach der zweiten Impfung, beziehungsweise 7 Tage nach der dritten und jeder weiteren Impfung. Wer den Tierarzt in der Turnierwoche bestellt, riskiert also genau das, was er verhindern wollte.
International: FEI
Die FEI verlangt ebenfalls 6 Monate + 21 Tage, gezählt von der letzten Impfung bis zur Ankunft auf dem Turnier, und setzt eine eigene Frist obendrauf: innerhalb von sieben Tagen vor Ankunft auf dem Turnier darf gar nicht geimpft werden. Zwischen zwei Wiederholungsimpfungen dürfen höchstens 12 Monate liegen. Die Grundimmunisierung besteht dort aus zwei Impfungen im Abstand von 21 bis 60 Tagen und einer dritten innerhalb von 6 Monaten + 21 Tagen; für Serien, die vor dem 1. Januar 2024 begonnen haben, gelten noch 21 bis 92 Tage und 7 Monate. Die FN hat diese Änderung nicht übernommen — wer national und international startet, impft am sichersten nach beiden Regeln zugleich.
Neu und leicht zu übersehen: Seit Februar 2025 trägt der Tierarzt jede Influenza-Impfung eines FEI-Pferdes zusätzlich zum Pferdepass in die FEI HorseApp ein — am Tag der Impfung und in Anwesenheit des Pferdes. Auf FEI-Turnieren wird das seit dem 1. Januar 2026 kontrolliert, bis zum 30. Juni nur mit Verwarnungen; seit dem 1. Juli 2026 kann ein fehlender oder falscher Eintrag ein Bußgeld kosten. In derselben App will die FEI auch die Temperatur des Pferdes sehen: zweimal täglich an den drei Tagen vor der Ankunft und während der ganzen Veranstaltung. Und seit dem 26. Januar 2026 zeigt die FEI-App Equipass Pass und Impfungen eines FEI-Pferdes auf dem Handy — als Ergänzung zum Papierpass, nicht als Ersatz.
Warum der Impfkalender verrutscht
Kaum ein Impfplan bleibt auf den Daten, die im Januar geplant wurden. Der Tierarzttermin verschiebt sich, das Pferd hat ausgerechnet in der Woche Fieber, die zweite Impfung kommt später — und jeder Folgetermin verschiebt sich mit. Genau darin liegt das Problem: Der nächste Termin hängt davon ab, wann tatsächlich geimpft wurde, nicht davon, wann es geplant war.
Deshalb geht ein ausgedruckter Jahresplan spätestens im März leise falsch — und deshalb ist „sechs Monate nach der letzten“ nur beantwortbar, wenn man weiß, wann die letzte genau war.
Häufig gestellte Fragen
Wie oft muss ein Pferd geimpft werden?
Das hängt von der Impfung ab. Nach der Grundimmunisierung empfiehlt die StIKo Vet für Tetanus eine Wiederholungsimpfung alle zwei bis drei Jahre, für Influenza und Herpes dagegen alle sechs Monate. Für Pferde mit geringem Infektionsdruck, die regelmäßig geimpft werden und nicht auf Turniere gehen, kann bei Influenza ein Intervall von bis zu zwölf Monaten ausreichen.
Welche Impfabstände gelten für Turnierpferde?
Nach der LPO § 66 muss die zweite Impfung 28 bis 70 Tage nach der ersten erfolgen, die dritte spätestens 6 Monate + 21 Tage nach der zweiten. Danach dürfen Wiederholungsimpfungen einen Abstand von 6 Monaten + 21 Tagen nicht überschreiten. Starten darf das Pferd 14 Tage nach der zweiten Impfung beziehungsweise 7 Tage nach der dritten und jeder weiteren.
Muss Tetanus jedes Jahr aufgefrischt werden?
Nicht nach der deutschen Leitlinie. Die StIKo Vet nennt nach korrekter Grundimmunisierung ein Wiederholungsintervall von zwei bis drei Jahren, je nach verwendetem Impfstoff — der Tetanusschutz hält deutlich länger als der gegen Influenza. Eine jährliche Tetanusimpfung ist damit oft mehr, als die Leitlinie verlangt. Was für dein Pferd gilt, entscheidet der Tierarzt.
Das Rechnen übernimmt der Nachweis
EquiDiary rechnet mit dem, was du eingetragen hast, nicht mit einem starren Kalender. Impfung eintragen — mit Chargennummer und Tierarzt — und der nächste Termin ergibt sich von selbst. Wird er fällig, kommt eine E-Mail. Reitbeteiligung, Trainer und Stall sehen dasselbe Tagebuch, und der Pferdepass liegt in der Dokumentenmappe des Pferdes, wenn er am Meldestand gebraucht wird.
3 Monate kostenlos startenQuellen
- StIKo Vet am FLI — Leitlinie zur Impfung von Pferden (Ausgabe 2025)
- FN — Influenza-Impfung bei Pferden (LPO § 66)
- FEI — Vaccinations und die Veterinary Regulations 2026
- FEI — Impfmodul der HorseApp, Gesundheitsanforderungen (Temperatur) und Equipass
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