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Entwurmung Pferd Schweiz: selektive Entwurmung, Kotprobe und Resistenzen

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Zuletzt geprüft am 3. November 2026

Wer alle acht Wochen eine Paste gibt, behandelt bei den meisten Pferden etwas, das gar nicht da ist — und züchtet dabei Resistenzen heran. In der Schweiz empfehlen die Universitäten Zürich und Bern deshalb längst den umgekehrten Weg: erst messen, dann gezielt behandeln.

Dies fasst veröffentlichte Empfehlungen zusammen und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Diese Seite gilt für die Schweiz und gibt es auch auf Französisch. Das Vorgehen hängt von Weide, Alter und Resistenzlage im Bestand ab; dein Tierarzt legt das Schema fest. Alle in der Schweiz zugelassenen Wurmkuren für Pferde sind verschreibungspflichtig (Abgabekategorie B).

Warum der Kalender ausgedient hat

Alle Pferde in festen Abständen zu behandeln war jahrzehntelang Standard. Das Problem ist, was dabei entstand: Wer jedes Tier behandelt, ob nötig oder nicht, erzeugt dauerhaften Selektionsdruck — und die kleinen Strongyliden bilden wegen ihres kurzen Entwicklungszyklus besonders rasch Resistenzen. Dazu kommt die Wirkung der Wirkstoffe auf die Bodenlebewesen, die den Mist abbauen.

Die Zahlen dahinter sind deutlich: Untersuchungen zeigen, dass nur bei etwa 20 bis 30 % der Pferde ein gesundheitlich relevanter Wurmbefall vorliegt. Bei den übrigen 70 bis 80 % bringt eine Wurmkur schlicht nichts — außer Selektionsdruck.

Selektive Entwurmung: der Schwellenwert

Die selektive Entwurmung stützt sich auf tierindividuelle Kotuntersuchungen. Behandelt werden die starken Ausscheider — und Pferde mit Krankheitszeichen, unabhängig vom Wert.

BefundEpG (Strongylideneier pro Gramm)Was daraus folgt
Geringe Ausscheidungunter 200Die meisten erwachsenen Pferde. Allein aufgrund der Zählung ist keine Behandlung angezeigt.
Starke Ausscheidungab 200Behandeln — das ist der Schwellenwert der selektiven Entwurmung.
Symptomeunabhängig vom WertEin Pferd mit Krankheitszeichen wird behandelt, was auch immer die Zählung sagt.

Bei erwachsenen Pferden wird dafür üblicherweise dreimal jährlich eine Kotprobe untersucht, und nur bei positivem Befund entwurmt. Gut gemacht bedeutet das im Stall meist weniger Wurmkuren als der alte Kalender, nicht mehr.

Prüfen, ob das Mittel noch wirkt

Resistenzen sind bestandsspezifisch: Ob ein Präparat in deinem Stall noch wirkt, lässt sich nur messen. Dafür zählt man rund zwei Wochen nach der Behandlung erneut; die Eizahl sollte um mehr als 90 bis 95 % gefallen sein, idealerweise auf null. Eine Wurmkur, die nicht mehr wirkt, sieht genauso aus wie eine, die wirkt — bis man zählt.

Was ein Nullbefund nicht heißt. Die Kotprobe erfasst adulte, eierlegende Würmer. Sie erfasst nicht die in der Darmwand eingekapselten Larven der kleinen Strongyliden. Ein Pferd kann sauber testen und trotzdem eine erhebliche Larvenlast tragen; treten diese Larven massenhaft aus, entsteht die larvale Cyathostominose — plötzlicher wässriger Durchfall, starker Gewichtsverlust und Kolik, mit einer häufig genannten Letalität um 50 %. Ob die eingekapselten Stadien behandelt werden, ist eine eigene Entscheidung, unabhängig vom Eizahlbefund: Der Tierarzt trifft sie, oft auf Empfehlung eines spezialisierten Labors, anhand von Alter, Vorgeschichte, Jahreszeit und Infektionsdruck im Bestand. Für Bandwurm ist die einzelne Standard-Kotprobe unzuverlässig, weil die Eier unregelmäßig ausgeschieden werden; aussagekräftig sind spezielle Anreicherungsverfahren, auf Bestandsebene mit vielen Proben mehrerer Pferde über das Jahr verteilt, oder ein Antikörpertest aus Speichel oder Blut, der eine Infektion der letzten Monate anzeigt und deshalb nach einer Behandlung noch eine Weile positiv bleibt. Bei nur wenigen Pferden bleibt auch der Nachweis im Bestand unsicher; spezialisierte Labore empfehlen dort eher eine vorbeugende Bandwurmbehandlung einmal im Jahr.

Fohlen und Jungpferde laufen anders

Alles bisher Gesagte gilt für erwachsene Pferde. Fohlen und Jungpferde werden nicht allein nach Eizahl behandelt, sondern auch nach Alter und Bestand: Bei ihnen dominiert Parascaris (Spulwurm) statt der kleinen Strongyliden, mit realem Verschlussrisiko, und die Immunität ist noch nicht ausgebildet. Kotproben entfallen deshalb nicht, sie werden eher häufiger genommen: Sie zeigen, ob noch Spulwürmer da sind und ob eine Behandlung gewirkt hat, und da die Resistenz von Parascaris gegen makrozyklische Laktone weit verbreitet ist, lohnt die Kontrollzählung dort besonders. Wie oft ein Jungpferd beprobt und wann es behandelt wird, legt der Tierarzt nach Alter und Infektionsdruck fest, oft auf Empfehlung eines spezialisierten Labors; mit zunehmendem Alter nähert sich das Schema dem der erwachsenen Pferde.

Warum der Plan verrutscht

Ein Entwurmungsprogramm ist schwerer zusammenzuhalten als ein Impfplan, weil es kein wiederkehrender Termin ist. Es ist eine Kotprobe pro Pferd, eine daraus folgende Einstufung, eine Behandlung, die angezeigt sein kann oder nicht, eine Kontrollzählung zwei Wochen später und eine separate Entscheidung zu den eingekapselten Larven — mal jedes Pferd im Stall.

Genau so rutscht ein Bestand zurück zu „im Herbst bekommen alle eine Paste“: nicht als Entscheidung, sondern weil niemand mehr rekonstruieren kann, wer wann beprobt wurde.

Häufig gestellte Fragen

Wie oft muss man ein Pferd entwurmen?

Ein festes Intervall gibt es nicht mehr. Bei der selektiven Entwurmung entscheidet die Kotprobe: Behandelt werden Pferde ab etwa 200 Eiern pro Gramm sowie Tiere mit Krankheitszeichen. Bei erwachsenen Pferden werden dafür üblicherweise dreimal jährlich Kotproben untersucht. Fohlen und Jungpferde werden dagegen nicht allein nach Eizahl behandelt, sondern auch nach Alter und Bestand.

Warum nicht mehr nach Kalender entwurmen?

Weil alle Pferde regelmäßig zu behandeln, ob nötig oder nicht, dauerhaften Selektionsdruck erzeugt und damit Resistenzen fördert — kleine Strongyliden bilden sie durch ihren kurzen Entwicklungszyklus besonders schnell. Untersuchungen zeigen zudem, dass nur bei etwa 20 bis 30 Prozent der Pferde ein behandlungsbedürftiger Wurmbefall vorliegt; bei den übrigen bringt eine Wurmkur nichts.

Erkennt die Kotprobe eingekapselte Larven?

Nein. Die Kotprobe erfasst nur adulte, eierlegende Würmer, daher bleiben die in der Darmwand eingekapselten Larven der kleinen Strongyliden unsichtbar; ob sie behandelt werden, entscheidet der Tierarzt, oft auf Empfehlung eines spezialisierten Labors, anhand von Alter, Vorgeschichte, Jahreszeit und Infektionsdruck im Bestand. Für Bandwurm ist die einzelne Standard-Kotprobe unzuverlässig; aussagekräftig sind spezielle Verfahren mit vielen Proben eines größeren Bestandes oder ein Antikörpertest aus Speichel oder Blut, der eine Infektion der letzten Monate anzeigt. Ein Nullbefund bedeutet also nicht, dass ein Pferd wurmfrei ist.

Das Rechnen übernimmt der Nachweis

EquiDiary hält Kotprobenbefunde, Behandlungen und Präparate jedes Pferdes mit Datum und Charge im Tagebuch fest, damit der Wert vom letzten Jahr da ist, wenn du ihn vergleichen willst. Einmal eintragen, und das Tagebuch merkt es sich für dich; Tierarzt, Stall und Reitbeteiligung sehen dieselbe Seite.

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Quellen

Empfehlungen werden regelmäßig überarbeitet — stimme das Vorgehen mit deinem Tierarzt ab.

Siehe auch: Impfplan Schweiz — 365 Tage national, sechs Monate international.

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