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Entwurmung Pferd Schweiz: selektive Entwurmung, Kotprobe und Resistenzen

Zuletzt geprüft am 5. August 2026

Wer alle acht Wochen eine Paste gibt, behandelt bei den meisten Pferden etwas, das gar nicht da ist — und züchtet dabei Resistenzen heran. In der Schweiz empfehlen die Universitäten Zürich und Bern deshalb längst den umgekehrten Weg: erst messen, dann gezielt behandeln.

Dies fasst veröffentlichte Empfehlungen zusammen und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Diese Seite gilt für die Schweiz und gibt es auch auf Französisch. Das Vorgehen hängt von Weide, Alter und Resistenzlage im Bestand ab; dein Tierarzt legt das Schema fest.

Warum der Kalender ausgedient hat

Alle Pferde in festen Abständen zu behandeln war jahrzehntelang Standard. Das Problem ist, was dabei entstand: Wer jedes Tier behandelt, ob nötig oder nicht, erzeugt dauerhaften Selektionsdruck — und die kleinen Strongyliden bilden wegen ihres kurzen Entwicklungszyklus besonders rasch Resistenzen. Dazu kommt die Wirkung der Wirkstoffe auf die Bodenlebewesen, die den Mist abbauen.

Die Zahlen dahinter sind deutlich: Untersuchungen zeigen, dass nur bei etwa 20 bis 30 % der Pferde ein gesundheitlich relevanter Wurmbefall vorliegt. Bei den übrigen 70 bis 80 % bringt eine Wurmkur schlicht nichts — außer Selektionsdruck.

Selektive Entwurmung: der Schwellenwert

Die selektive Entwurmung stützt sich auf tierindividuelle Kotuntersuchungen. Behandelt werden die starken Ausscheider — und Pferde mit Krankheitszeichen, unabhängig vom Wert.

BefundEpG (Strongylideneier pro Gramm)Was daraus folgt
Geringe Ausscheidungunter 200Die meisten erwachsenen Pferde. Allein aufgrund der Zählung ist keine Behandlung angezeigt.
Starke Ausscheidungab 200Behandeln — das ist der Schwellenwert der selektiven Entwurmung.
Symptomeunabhängig vom WertEin Pferd mit Krankheitszeichen wird behandelt, was auch immer die Zählung sagt.

Bei erwachsenen Pferden wird dafür üblicherweise dreimal jährlich eine Kotprobe untersucht, und nur bei positivem Befund entwurmt. Gut gemacht bedeutet das im Stall meist weniger Wurmkuren als der alte Kalender, nicht mehr.

Prüfen, ob das Mittel noch wirkt

Resistenzen sind bestandsspezifisch: Ob ein Präparat in deinem Stall noch wirkt, lässt sich nur messen. Dafür zählt man rund zwei Wochen nach der Behandlung erneut; die Eizahl sollte um mehr als 90 bis 95 % gefallen sein, idealerweise auf null. Eine Wurmkur, die nicht mehr wirkt, sieht genauso aus wie eine, die wirkt — bis man zählt.

Was ein Nullbefund nicht heißt. Die Kotprobe erfasst adulte, eierlegende Würmer. Sie erfasst nicht die in der Darmwand eingekapselten Larven der kleinen Strongyliden, und sie ist für Bandwurm unzuverlässig. Ein Pferd kann sauber testen und trotzdem eine erhebliche Larvenlast tragen; treten diese Larven massenhaft aus, entsteht die larvale Cyathostominose — plötzlicher wässriger Durchfall, starker Gewichtsverlust und Kolik, mit einer häufig genannten Letalität um 50 %. Die Behandlung der eingekapselten Stadien ist eine eigene Entscheidung, unabhängig vom Eizahlbefund.

Fohlen und Jungpferde laufen anders

Alles bisher Gesagte gilt für erwachsene Pferde. Fohlen und Jungpferde werden systematisch behandelt statt selektiv: Bei ihnen dominiert Parascaris (Spulwurm) statt der kleinen Strongyliden, mit realem Verschlussrisiko, und die Immunität ist noch nicht ausgebildet. Da die Resistenz von Parascaris gegen makrozyklische Laktone weit verbreitet ist, lohnt die Kontrollzählung dort besonders.

Warum der Plan verrutscht

Ein Entwurmungsprogramm ist schwerer zusammenzuhalten als ein Impfplan, weil es kein wiederkehrender Termin ist. Es ist eine Kotprobe pro Pferd, eine daraus folgende Einstufung, eine Behandlung, die angezeigt sein kann oder nicht, eine Kontrollzählung zwei Wochen später und eine separate Entscheidung zu den eingekapselten Larven — mal jedes Pferd im Stall.

Genau so rutscht ein Bestand zurück zu „im Herbst bekommen alle eine Paste“: nicht als Entscheidung, sondern weil niemand mehr rekonstruieren kann, wer wann beprobt wurde.

Das Rechnen übernimmt der Nachweis

EquiDiary hält Kotprobenbefunde, Behandlungen und Präparate jedes Pferdes in einer Historie fest — mit Datum und Charge — damit der Wert vom letzten Jahr da ist, wenn du ihn vergleichen willst. Einmal eintragen, und der Nachweis erinnert sich für dich; Tierarzt, Stall und Reitbeteiligung sehen dieselbe Seite.

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Quellen

Empfehlungen werden regelmäßig überarbeitet — stimme das Vorgehen mit deinem Tierarzt ab.

Siehe auch: Impfplan Schweiz — 365 Tage national, sechs Monate international.

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