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Entwurmung Pferd: selektive Entwurmung, Kotprobe und EpG-Schwellenwert

Zuletzt geprüft am 4. August 2026

Wer gelernt hat, alle acht Wochen zu entwurmen und dabei die Wirkstoffe zu wechseln, hat die Strategie gelernt, die das heutige Resistenzproblem erzeugt hat. Abgelöst hat sie die selektive Entwurmung. So funktioniert sie — und das ist das Einzige, was eine saubere Kotprobe nicht verrät.

Dies fasst veröffentlichte Empfehlungen zusammen und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Das Vorgehen hängt von Weide, Alter und Nutzung des Pferdes sowie von der Resistenzlage im Bestand ab. Wurmkuren sind verschreibungspflichtig: die Auswahl trifft der Tierarzt.

Warum der Kalender ausgedient hat

Alle Pferde alle acht Wochen zu behandeln und dabei die Wirkstoffklasse zu rotieren, war über Jahrzehnte Standard. Das Problem ist, was dabei entstand: Wer jedes Tier behandelt, ob es nötig ist oder nicht, erzeugt dauerhaften Selektionsdruck — und die Parasiten haben sich angepasst.

Resistenzen sind heute gegen alle verfügbaren Wirkstoffklassen dokumentiert. Bei kleinen Strongyliden sind Resistenzen gegen Benzimidazole und Pyrantel weit verbreitet, und auch gegen makrozyklische Laktone — Ivermectin und Moxidectin — mehren sich die Berichte. Neue Klassen sind nicht in Sicht.

Daraus folgt das heutige Prinzip, das die alte Logik umkehrt: erst untersuchen, dann gezielt behandeln. Pferde mit geringer Ausscheidung bewusst unbehandelt zu lassen ist keine Nachlässigkeit — es erhält eine Parasitenpopulation, die den Wirkstoff nie gesehen hat, und genau das hält ihn für die Fälle wirksam, in denen er gebraucht wird.

Der Schwellenwert: 200 EpG

Bei der selektiven Entwurmung werden per Kotprobe die starken Ausscheider eines Bestandes ermittelt: Tiere, deren frischer Kot 200 Eier pro Gramm (EpG) und mehr enthält. Der Wert bezieht sich ausschließlich auf Strongyliden. Diese Pferde erhalten eine vom Tierarzt verordnete Wurmkur; die übrigen bleiben unbehandelt.

SchrittVorgehen
MonitoringjahrJedes Pferd wird mindestens viermal beprobt.
DanachJe nach Ergebnis des ersten Jahres können die Intervalle auf dreimal jährlich ausgedehnt werden.
BehandlungNur starke Ausscheider ab 200 EpG, mit tierärztlich verordnetem Präparat.
KontrolleEizahl-Reduktions-Test (EZRT) nach der Behandlung — bei erwachsenen Pferden mindestens einmal jährlich vor dem Aufstallen nach der Weidesaison.

Der EZRT ist der Teil, der am häufigsten wegfällt — und der wichtigste. Resistenzen sind bestandsspezifisch: Ob ein Präparat in deinem Stall noch wirkt, lässt sich nur messen, indem man vor und nach der Behandlung zählt. Eine Wurmkur, die nicht mehr wirkt, sieht genauso aus wie eine, die wirkt.

Was ein Nullbefund nicht heißt. Die Kotprobe erfasst adulte, eierlegende Würmer. Sie erfasst nicht die in der Darmwand eingekapselten Larven der kleinen Strongyliden, und sie ist für Bandwurm und Magendasseln unzuverlässig. Ein Pferd kann sauber testen und trotzdem eine erhebliche Larvenlast tragen; treten diese Larven massenhaft aus, entsteht die larvale Cyathostominose — plötzlicher wässriger Durchfall, starker Gewichtsverlust und Kolik, mit einer häufig genannten Letalität um 50 %. Die Behandlung der eingekapselten Stadien ist eine eigene Entscheidung, unabhängig vom Eizahlbefund.

Fohlen laufen anders

Alles bisher Gesagte gilt für erwachsene Pferde. Fohlen und Jungpferde werden systematisch behandelt statt selektiv: Bei ihnen dominiert Parascaris (Spulwurm) statt der kleinen Strongyliden, mit realem Verschlussrisiko, und die Immunität ist noch nicht ausgebildet. Da die Resistenz von Parascaris gegen makrozyklische Laktone weit verbreitet ist, lohnt der Wirksamkeitsnachweis hier besonders.

Warum der Plan verrutscht

Ein Entwurmungsprogramm ist schwerer zusammenzuhalten als ein Impfplan, weil es kein wiederkehrender Termin ist. Es ist eine Kotprobe pro Pferd, eine daraus folgende Einstufung, eine Behandlung, die angezeigt sein kann oder nicht, ein EZRT zwei Wochen später und eine separate Entscheidung zu den eingekapselten Larven — mal jedes Pferd im Stall.

Genau so rutscht ein Bestand zurück zu „im Frühjahr bekommen alle eine Paste“: nicht als Entscheidung, sondern weil niemand mehr rekonstruieren kann, wer wann beprobt wurde.

Das Rechnen übernimmt der Nachweis

EquiDiary hält Kotprobenbefunde, Behandlungen und Präparate jedes Pferdes in einer Historie fest — mit Datum und Charge — damit der Wert vom letzten Jahr da ist, wenn du ihn vergleichen willst. Einmal eintragen, und der Nachweis erinnert sich für dich; Tierarzt, Stall und Reitbeteiligung sehen dieselbe Seite.

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Quellen

Empfehlungen werden regelmäßig überarbeitet — prüfe die aktuelle Fassung und stimme das Vorgehen mit deinem Tierarzt ab.

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Siehe auch: Impfplan Pferd — Intervalle, Auffrischung und Turnierregeln.