Entwurmung Pferd: selektive Entwurmung, Kotprobe und EpG-Schwellenwert
Zuletzt geprüft am 3. November 2026
Wer nach dem alten Schema alle acht Wochen entwurmt und dabei die Wirkstoffe wechselt, folgt einer Strategie, die zur heutigen Resistenzlage beigetragen hat. An ihre Stelle ist die selektive Entwurmung getreten. Hier erfährst du, wie sie funktioniert und was eine unauffällige Kotprobe nicht erfasst.
Dies fasst veröffentlichte Empfehlungen zusammen und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Das Vorgehen hängt von Weide, Alter und Nutzung des Pferdes sowie von der Resistenzlage im Bestand ab. Wurmkuren sind verschreibungspflichtig: die Auswahl trifft der Tierarzt.
Warum der Kalender ausgedient hat
Alle Pferde alle acht Wochen zu behandeln und dabei die Wirkstoffklasse zu rotieren, war über Jahrzehnte Standard. Das Problem ist, was dabei entstand: Wer jedes Tier behandelt, ob es nötig ist oder nicht, erzeugt dauerhaften Selektionsdruck — und die Parasiten haben sich angepasst.
Resistenzen sind heute gegen alle verfügbaren Wirkstoffklassen dokumentiert. Bei kleinen Strongyliden sind Resistenzen gegen Benzimidazole und Pyrantel weit verbreitet, und auch gegen makrozyklische Laktone — Ivermectin und Moxidectin — mehren sich die Berichte. Neue Klassen sind nicht in Sicht.
Daraus folgt das heutige Prinzip, das die alte Logik umkehrt: erst untersuchen, dann gezielt behandeln. Pferde mit geringer Ausscheidung bewusst unbehandelt zu lassen ist keine Nachlässigkeit — es erhält eine Parasitenpopulation, die den Wirkstoff nie gesehen hat, und genau das hält ihn für die Fälle wirksam, in denen er gebraucht wird.
Der Schwellenwert: 200 EpG
Bei der selektiven Entwurmung werden per Kotprobe die starken Ausscheider eines Bestandes ermittelt: Tiere, deren frischer Kot 200 Eier pro Gramm (EpG) und mehr enthält. Der Wert bezieht sich ausschließlich auf Strongyliden. Diese Pferde erhalten eine vom Tierarzt verordnete Wurmkur; die übrigen bleiben unbehandelt.
| Schritt | Vorgehen |
|---|---|
| Monitoringjahr | Jedes Pferd wird mindestens viermal beprobt. |
| Danach | Je nach Ergebnis des ersten Jahres können die Intervalle auf dreimal jährlich ausgedehnt werden. |
| Behandlung | Nur starke Ausscheider ab 200 EpG, mit tierärztlich verordnetem Präparat. |
| Kontrolle | Eizahl-Reduktions-Test (EZRT) rund 14 Tage nach jeder Behandlung. |
Der EZRT ist der Teil, der am häufigsten wegfällt — und der wichtigste. Resistenzen sind bestandsspezifisch: Ob ein Präparat in deinem Stall noch wirkt, lässt sich nur messen, indem man vor und nach der Behandlung zählt. Eine Wurmkur, die nicht mehr wirkt, sieht genauso aus wie eine, die wirkt.
Was ein Nullbefund nicht heißt. Die Kotprobe erfasst adulte, eierlegende Würmer. Sie erfasst nicht die in der Darmwand eingekapselten Larven der kleinen Strongyliden; Magendasseln sieht sie gar nicht. Ein Pferd kann sauber testen und trotzdem eine erhebliche Larvenlast tragen; treten diese Larven massenhaft aus, entsteht die larvale Cyathostominose — plötzlicher wässriger Durchfall, starker Gewichtsverlust und Kolik, mit einer häufig genannten Letalität um 50 %. Ob die eingekapselten Stadien behandelt werden, ist eine eigene Entscheidung, unabhängig vom Eizahlbefund: Der Tierarzt trifft sie, oft auf Empfehlung eines spezialisierten Labors, anhand von Alter, Vorgeschichte, Jahreszeit und Infektionsdruck im Bestand. Für Bandwurm ist die einzelne Standard-Kotprobe unzuverlässig, weil die Eier unregelmäßig ausgeschieden werden; aussagekräftig sind spezielle Anreicherungsverfahren, auf Bestandsebene mit vielen Proben mehrerer Pferde über das Jahr verteilt, oder ein Antikörpertest aus Speichel oder Blut, der eine Infektion der letzten Monate anzeigt und deshalb nach einer Behandlung noch eine Weile positiv bleibt. Bei nur wenigen Pferden bleibt auch der Nachweis im Bestand unsicher; spezialisierte Labore empfehlen dort eher eine vorbeugende Bandwurmbehandlung einmal im Jahr.
Fohlen brauchen einen eigenen Plan
Alles bisher Gesagte gilt für erwachsene Pferde. Fohlen und Jungpferde werden nicht allein nach Eizahl behandelt, sondern auch nach Alter und Bestand: Bei ihnen dominiert Parascaris (Spulwurm) statt der kleinen Strongyliden, mit realem Verschlussrisiko, und die Immunität ist noch nicht ausgebildet. Kotproben entfallen deshalb nicht, sie werden eher häufiger genommen: Sie zeigen, ob noch Spulwürmer da sind und ob eine Behandlung gewirkt hat, und da die Resistenz von Parascaris gegen makrozyklische Laktone weit verbreitet ist, lohnt der Wirksamkeitsnachweis hier besonders. Wie oft ein Jungpferd beprobt und wann es behandelt wird, legt der Tierarzt nach Alter und Infektionsdruck fest, oft auf Empfehlung eines spezialisierten Labors; mit zunehmendem Alter nähert sich das Schema dem der erwachsenen Pferde.
Warum der Plan verrutscht
Ein Entwurmungsprogramm ist schwerer zu koordinieren als ein Impfplan, weil es keinen festen Rhythmus gibt. Für jedes Pferd braucht es eine Kotprobe und eine anschließende Einstufung; je nach Ergebnis wird behandelt oder nicht. Nach einer Behandlung folgt zwei Wochen später der EZRT. Zusätzlich muss separat entschieden werden, ob die eingekapselten Larven behandelt werden.
Genau so rutscht ein Bestand zurück zu „im Frühjahr bekommen alle eine Paste“: nicht als Entscheidung, sondern weil niemand mehr rekonstruieren kann, wer wann beprobt wurde.
Häufig gestellte Fragen
Wie oft muss man ein Pferd entwurmen?
Ein festes Intervall gibt es nicht mehr. Bei der selektiven Entwurmung wird per Kotprobe ermittelt, welche Pferde starke Ausscheider sind — ab 200 Eiern pro Gramm (EpG) Strongylideneier — und nur diese werden behandelt. Im ersten Monitoringjahr wird jedes Pferd mindestens viermal beprobt, danach je nach Ergebnis dreimal jährlich. Fohlen und Jungpferde werden dagegen nicht allein nach Eizahl behandelt, sondern auch nach Alter und Bestand.
Was bedeutet der Schwellenwert von 200 EpG?
200 Eier pro Gramm frischen Kots ist der Grenzwert, ab dem ein Pferd als starker Ausscheider gilt und eine tierärztlich verordnete Wurmkur erhält. Der Wert bezieht sich ausschließlich auf Strongyliden. Er misst, wie stark ein Pferd die Weide kontaminiert, nicht wie krank es ist.
Erkennt die Kotprobe eingekapselte Larven?
Nein. Die Kotprobe erfasst nur adulte, eierlegende Würmer, daher bleiben die in der Darmwand eingekapselten Larven der kleinen Strongyliden unsichtbar; ob sie behandelt werden, entscheidet der Tierarzt, oft auf Empfehlung eines spezialisierten Labors, anhand von Alter, Vorgeschichte, Jahreszeit und Infektionsdruck im Bestand. Für Bandwurm ist die einzelne Standard-Kotprobe unzuverlässig; aussagekräftig sind spezielle Verfahren mit vielen Proben eines größeren Bestandes oder ein Antikörpertest aus Speichel oder Blut, der eine Infektion der letzten Monate anzeigt. Magendasseln erfasst die Kotprobe gar nicht. Ein Nullbefund bedeutet also nicht, dass ein Pferd wurmfrei ist.
Das Rechnen übernimmt der Nachweis
EquiDiary hält Kotprobenbefunde, Behandlungen und Präparate jedes Pferdes mit Datum und Charge im Tagebuch fest, damit der Wert vom letzten Jahr da ist, wenn du ihn vergleichen willst. Einmal eintragen, und das Tagebuch merkt es sich für dich; Tierarzt, Stall und Reitbeteiligung sehen dieselbe Seite.
3 Monate kostenlos startenQuellen
- FN — Entwurmung von Pferden
- Thieme Tiermedizin — Die selektive Entwurmung beim Pferd (Schwellenwerte, Beprobungsintervalle, EZRT, Winterbeprobung von Jungpferden)
- AAEP — Internal Parasite Control Guidelines (Bandwurmdiagnostik, Fohlen und Jungpferde, Ausscheiderkategorien, Wirksamkeitstest)
- Kotlabor Schmid — Bandwurmdiagnostik und -Behandlung
- Lightbody, Davis & Austin (2016) — Validation of a novel saliva-based ELISA test for diagnosing tapeworm burden in horses, Vet Clin Pathol 45:335–346
- Verordnung (EU) 2019/6, Art. 34 (Tierarzneimittel für der Lebensmittelgewinnung dienende Tiere sind verschreibungspflichtig), und die Unionsdatenbank für Tierarzneimittel
Empfehlungen werden regelmäßig überarbeitet — prüfe die aktuelle Fassung und stimme das Vorgehen mit deinem Tierarzt ab.
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Siehe auch: Impfplan Pferd — Intervalle, Auffrischung und Turnierregeln.